Florian Schillinger

IOC streicht Nordische Kombination aus Olympia-Programm

Trainingswissenschaftler Florian Schillinger über seine ersten Eindrücke nach der Entscheidung

Eigentlich war die lange erwartete und schon öfter verschobene Bekanntgabe der Entscheidung des IOC für eine Pressekonferenz angekündigt, deren Start zuerst für 17.30 Uhr, dann für 17 Uhr angesetzt war. Die Pressekonferenz wollten alle gemeinsam verfolgen. Das deutsche Männer-Team um Bundestrainer Eric Frenzel ist aktuell auf einem Lehrgang in Slowenien. Aber auch die daheimgebliebenen wie Schillinger waren via WhatsApp in Kontakt.

Schon gegen 16.30 Uhr platzte dann allerdings die Bombe, als das IOC die Pressemitteilung online stellte und auch erste Medien berichteten. Die Kombination ist raus, nach über 100 Jahren olympischer Geschichte. Dass die Entscheidung pro Verbleib alles andere als sicher war, habe er nach Gesprächen mit Verantwortlichen gewusst, sagt Schillinger. Er habe mit „einer 50:50-Entscheidung“ gerechnet. „Keiner hat sich irgendwo eine Prognose zugetraut.“ Doch so richtig wahrhaben habe er die Gefahr im Vorhinein nicht haben wollen. „Das schiebt man auch ein bisschen weg von sich.“

Umso mehr sei es dann ein Schlag ins Gesicht gewesen, die entscheidenden Sätze schwarz auf weiß zu lesen. „Das hat mich unvorbereitet getroffen und auch ein bisschen gelähmt.“ Auch in der WhatsApp-Gruppe des Teams sei es sehr ruhig geworden.

Wie geht es nun weiter? Das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand genau. Der internationale Skiverband FIS und der Deutsche Skiverband (DSV) haben sich umgehend zur Nordischen Kombination bekannt. Für die unmittelbare Zukunft ist auch die Finanzierung gesichert.

„Die Gefahr, dass die Sportart Jahr für Jahr ausblutet, ist dennoch sehr präsent“, sagt Schillinger. Die Mittel sind national wie international begrenzt. Ob eine Sportart olympisch ist oder nicht, spielt bei der Priorisierung eine große Rolle.

Die Auswirkungen werden auch an der Basis zu spüren sein, und zwar nicht nur bei der Nordischen Kombination, sondern in allen nordischen Disziplinen. „Für unsere Region gesprochen: eine Katastrophe“, sagt Schillinger. Viele Nachwuchssportler beginnen mit der Nordischen Kombination, wechseln später in die Spezialdisziplinen oder umgekehrt. „Natürlich wird es weiterhin Springer und Langläufer geben“, sagt Schillinger: „Für die Entwicklung und die Ausbildung ist aus sportfachlicher Sicht die Nordische Kombination super wichtig.“

Schillinger, der selbst einst als Kombinierer aktiv war, denkt auch an die Jugendlichen und Junioren, die in vier bis acht Jahren bei den olympischen Spielen hätten starten können und wollen. „Das zerplatzt jetzt natürlich. Da werden Träume genommen.“

Autor: Henri Gallbrunner | TEAM FREIBURG-SCHWARZWALD
Foto: OSP Freiburg-Schwarzwald